Terje Vigen
Stummfilmkonzert mit Long Shutter Noise Reduction, Schweden (1917)
Der Film Terje Vigen von 1917 ist selbst für einen Stummfilm ungewöhnlich. Denn er verfilmt die gleichnamige Ballade von Henrik Ibsen. Nicht nur das 120. Todesjahr Ibsens ist ein Grund, den Film wieder zu zeigen. Die überlegene englische Seemacht versuchte Anfang des 19. Jahrhunderts, Norwegen durch Sanktionen auszuhungern. Der Film zeigt, wie Terje Vigen Lebensmittel von Dänemark nach Norwegen schmuggelt, um seine Familie zu ernähren. Sein Boot wird von einem englischen Offizier aufgebracht, und er kommt in englische Gefangenschaft. Die Familie verhungert. Viele Jahre später begegnet Terje Vigen als alter Lotse dem englischen Offizier und dessen Familie in einem Sturm auf hoher See. Ihr Leben ist in seiner Hand.
Dazu wird das Duo Long Shutter Noise Reduction ein Konzert spielen. Die gespielte Musik heißt heute Drone oder Ambient und orientiert sich an extremen Formen des Metal ebenso wie am Jazz oder Minimal Musik oder Stockhausens Experimenten. Die Musik macht die eigentliche Hauptfigur des Filmes hörbar, nämlich das Meer. Im Gegensatz zu den menschlichen Figuren kennt es die Vergebung nicht – aber auch keinen Hass.
Terje Vigen des schwedischen Regisseurs Victor Sjöströms ist auch filmhistorisch von großer Bedeutung, weil dieser als einer der ersten Filmschaffenden nicht Theaterstücke verfilmte, sondern den ganzen Film draußen am und auf dem Meer spielen ließ. Sogar während eines Sturms ließ er auf Booten filmen – und das in einer Zeit, als Kameras noch von Hand gekurbelt wurden.
Foto: Andre Mey