
Inspector Spacetime: Die isländische Abschlussparty zum Nordischen Klang 2026
Bunte Lichter, elektronische Beats und drei Musikbegeisterte, die kaum stillstehen – so begann der letzte Auftritt des Nordischen Klangs. Und schon nach kurzer Zeit entstand die Atmosphäre einer Disco am Abend des diesjährigen letzten Konzerts. Den Abschluss des Nordischen Klangs 2026 bildete am 16. Mai nach zehn Tagen voller Musik und Kultur aus dem Norden das Abschlussfest in der Straze. Als letzter Act des Festivals stand zunächst die Band GiddyGang aus Norwegen auf der Bühne und anschließend das isländische Trio Inspector Spacetime, das mit seiner energiegeladenen Musik für einen stimmungsvollen und mitreißenden Ausklang sorgte.
Inspector Spacetime ist eine dreiköpfige Band bestehend aus Egil Gauti Sigurjónsson, Elías Geir Óskarsson und Vaka Agnarsdóttir. Die Gruppe entstand zu Beginn der Pandemie, zunächst als Duo, bevor später Vaka zu ihnen stieß. Mittlerweile haben sie über Island hinaus Bekanntheit erlangt. Neben Auftritten beim Iceland Airwaves Festival spielte Inspector Spacetime unter anderem beim SPOT Festival in Aarhus, beim Reeperbahn-Festival in Hamburg, dem SXSW London und war zudem als Support von Islands Eurovision Song Contest-Kandidaten Daði Freyr auf Tour. Die Band selbst bezeichnet ihre Musik als „poppy-dance-music“, also als poporientierte Musik mit deutlichen Einflüssen aus verschiedenen Genres der elektronischen Tanzmusik. Dazu zählen unter anderem French House, Hyperpop und Disco.
Inspector Spacetime verstehen ihre Musik als eine Art Hommage an die europäische Dance-Musik der vergangenen Jahrzehnte. Musikalisch orientieren sie sich unter anderem an Bands wie Daft Punk, The Prodigy und Charli xcx. Gerade dieser spielerische Umgang mit verschiedenen Stilen macht einen Teil des Charakters der Band aus. Das gemeinsame Ziel dieser unterschiedlichen Stilrichtungen und Vorbilder ist immer dasselbe: Die Musik soll Menschen zum Tanzen und Bewegen bringen, was sich auch in den Texten und Titeln ihrer Songs abzeichnet. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist der auf ihrem Debütalbum erschienene Song „Dansa og bánsa“ (Tanzen und Feiern), den die drei an ihrem offiziellen Gründungstag schrieben und als energetischstes und glücklichstes Lied des Albums bezeichnen. Der Text dieses Songs lässt sich zusammenfassen mit: „Ich tanze und hüpfe und tanze und hüpfe …“ Mit diesen Worten lässt sich auch ihr Auftritt beschreiben – laut, bunt und vor allem tanzbar.
Der Beat ist nicht nur zu hören gewesen, sondern tatsächlich körperlich zu spüren. Die Musik erfasste den ganzen Raum und drückte sich regelrecht in den eigenen Körper. Die Musik überschritt damit die Grenzen des rein auditiven Erlebens. Zeitgleich animierten die drei Feierwilden auf der Bühne das Publikum energisch zum Bewegen und Tanzen. Dadurch entstand nicht nur ein deutlicher Disco- und Clubcharakter, sondern auch eine interessante Verbindung zwischen den Menschen und der Musik, die sich gegenseitig zu bedingen schienen.
Die Musik forderte zur Bewegung der Leute auf, und die Reaktion des Publikums wiederum verstärkte die Wirkung der Musik. Auch die Stimmen und die Bühnenästhetik hatten einen großen Einfluss auf die Atmosphäre im Saal. Gesungen wurde sowohl auf Isländisch als auch auf Englisch und die Stimmen wurden durch elektronische Effekte leicht verändert und verzerrt, sodass sie abschnittsweise nicht wie natürliche Gesangsstimmen wirkten. Zusätzlich entstand durch den Einsatz von Auto-Tune sowie der Überlagerung von Livegesang und vorproduzierten Stimmen, die ineinandergriffen, ein künstlicher, nahezu futuristisch wirkender Klang.
Die Beleuchtung trug ebenfalls zu diesem Eindruck bei. Die Bühne und der Saal wurden wiederholt in unterschiedlichste Farben getaucht, die den Raum erleuchteten und zusammen mit dem Einsatz verschiedener Lichteffekte eine leicht außerirdische Atmosphäre schufen. Die Lichtgestaltung unterstützte damit also wesentlich die musikalische Performance und die futuristische Inszenierung. So erhielt der Name Inspector Spacetime schon fast eine visuelle sowie klangliche Entsprechung.
Doch nicht nur Licht und Musik fielen auf. Auch die Bühnenpräsenz und das Zusammenspiel des Trios prägten die Atmosphäre des Abends. Auffällig war dabei die Art und Weise, wie die drei die Bühne nutzten und miteinander interagierten. Sie blieben nicht die ganze Zeit an ihren jeweiligen Plätzen, sondern nutzten die gesamte Bühne aus. Besonders Vaka war ständig in Bewegung. Sie tanzte während der Songs, bewegte sich auf die anderen beiden zu und strahlte dabei so viel positive Energie aus, dass diese und ihre Freude an der Musik auch im Publikum spürbar wurden. Auch Egil und Elías blieben nicht ausschließlich auf ihren Plätzen. Besonders auffällig war ein Moment, in dem der Musiker hinter dem DJ-Pult hervortrat und gemeinsam mit den anderen beiden performte. Plötzlich standen alle drei vorne auf der Bühne, sangen miteinander und tanzten gemeinsam mit dem Publikum zur Musik. Dadurch entstand ein sehr lebendiges Zusammenspiel, bei dem die drei nicht nur nebeneinander auftraten, sondern sich gegenseitig mitrissen.
Dabei fiel außerdem auf, dass die Kommunikation der Band mit dem Publikum nur zu einem kleinen Teil über Worte funktionierte, fast sogar ein wenig reserviert wirkte. Es gab zwar gelegentlich Ansagen und Aufforderungen zum Tanzen, insgesamt sprachen die drei jedoch vergleichsweise wenig. So animierten sie das Publikum durch ihre eigene Reaktion auf die Musik, sich zu bewegen und sich dieser ausgelassenen Stimmung hinzugeben. Dadurch blieb diese Energie nicht nur auf der Bühne, und nach und nach ließ sich das Publikum darauf ein. Immer mehr Menschen begannen zu tanzen und die Lebendigkeit und Freude der Band übertrug sich auf den gesamten Raum.
Am Ende bleibt vor allem der Eindruck eines Auftritts, bei dem Musik nicht einfach nur gehört, sondern zusammen gelebt wurde. Der starke Beat, der elektronische Sound, die farbige Beleuchtung und vor allem die ständige Bewegung auf der Bühne, sorgten dafür, dass das Publikum schnell mitgerissen wurde. Die Zugabe griff diese Stimmung noch einmal auf und gab diesem Abend einen extra Höhepunkt. Die drei kamen gemeinsam nach vorne, feuerten sich gegenseitig lautstark an, kamen sich immer näher und riefen sich immer wieder etwas zu, schrien einander an, was weniger wie eine eingeübte Bühnenperformance, als wie ein spontan entstandener Moment wirkte, sodass die Energie auf der Bühne überzukochen schien. So endete der letzte Auftritt des Nordischen Klangs nicht ruhig, sondern mit viel Bewegung, fröhlicher Stimmung und einem Publikum, das zum Abschluss noch einmal ausgelassen gemeinsam tanzte.
Text: Sirpa Pall
Fotos: Kilian Köthe