Du levande (Das jüngste Gewitter) S 2007
"Es passiert nicht oft, daß man im Kino sitzt und der Film einen förmlich umhaut. [...] Daß ein Film [...] eine Welt eröffnet, die so eigenwillig und absurd, so wunderlich und grausig und zwingend ist, daß sie einem den Kopf freibläst, daß man auf einen anderen Planeten entführt wird und sein eigenes Dasein von einer ganz anderen Warte aus betrachtet und wie von einer langen Reise aus dem Dunkel des Kinosaals zurück ins Tageslicht kommt. [...] Solche Filme sind selten. So ein Film ist 'Das jüngste Gewitter'.", schreibt der Filmkritiker Dietrich Brüggemann in seiner Rezension und ist ganz aus dem Häuschen.
Irgendwo zwischen skurriler Komödie und todernstem Drama verbirgt sich hinter jeder Sequenz in " Das jüngste Gewitter" ein Stück Menschheitsbeobachtung. In nahezu 50 Szenen hält uns Regisseur Roy Andersson einen aberwitzigen Spiegel vor: Egoismus, Arroganz, Liebe, Mitgefühl. Egal ob Groupie, Tubaspieler oder Taschendieb, in 95 Minuten fügt sich ein Puzzleteil an das andere. Mal pathetisch, mal erquickend komisch präsentiert sich jede Szene als gesellschaftliche Momentaufnahme.
Mit jeder Szene wird klarer, dass "Das jüngste Gewitter" kein Durchschnittsfilm ist. Die Kamera bleibt, stur wie die Menschen selbst, stets in einem Blickwinkel. Die Farben sind konform zur Stimmung kalt und matt. Aufgeräumt und sauber sind die Räume, resigniert wirken die Personen. Und doch, bei aller Absonderlichkeit der einzelnen Fragmente, fällt eines auf: dass in jedem von uns ein Stück aller Charaktere schlummert. Sei es die Frau des Tubaspielers, die mitten in der Nacht wohl keine Musikliebhaberin ist oder der Arbeiter, der träumte zum Tode verurteilt zu werden, weil er bei einer Familienfeier mit einem Tischtuchtrick das gesamte antike Porzellan zerstörte.
Das Schwedische Filminstitut ehrte in diesem Jahr "Das jüngste Gewitter" gleich dreimal mit dem höchsten Filmpreis des Landes, dem Guldbagge: Bester Film, beste Regie und bestes Drehbuch.
