Ro:Toro
Es gibt eine alte estnische Redensart über den Klang des
Dudelsacks: "Zehn Männer spielen und ein Baby schreit." Damit ist gut
ausgedrückt, wie der Ton dieses Instrument, das in seiner estnischen
Ausgabe, dem Torupill, besonders mächtig aussieht, zwischen
Ausgelassenheit und Eindringlichkeit schillert. Dieser intensive Effekt
wird gesteigert, wenn zwei Dudelsäcke zusammenspielen. Und wenn dies
dann noch die beiden jungen Frontfrauen des Quartetts Ro:Toro im
traumwandlerischen Einklang tun, dann schmeckt das ganze nach reinem
Rock'n'Roll, wie es kürzlich ein britischer Radioreporter ausdrückte.
Bis vor kurzem war der Torupill noch ein vergessenes
Instrument in der estnischen Folklore, obwohl er sich bis ins 14.
Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Cätlin Jaago und ihre Schülerin
Sandra Sillamaa haben Archivaufnahmen studiert und können die alten
Spieltechniken perfekt imitieren. Denn wie ein weiteres weises
Sprichwort besagt: "Blasen allein genügt nicht, du mußt auch Deine
Finger bewegen.".
Neben estnischen Hochzeits-, Beerdigungs- und
Meeresliedern hat Ro:Toro sein Repertoire mit Eigenkompositionen
erweitert, und schließlich tragen die beiden weiteren Mitmusiker zum
hochoriginellen Klangbild bei. Marko Mägi an Sopran- und Tenorsaxophon
reiht sich kraftvoll bei den Bläserinnen ein oder umspielt sie jazzig
im Garbarek-Sound, und der Perkussionist Silver Sepp, der aus allerlei
Waschschüsseln ein effektvolles Schlaginstrumentarium gebaut hat,
trommelt metrische Pointen und improvisiert Intermezzi. Alle haben sich
in der Kulturakademie von Viljandi, dem estnischen Zentrum für die
Jazz- und Folkausbildung, kennengelernt und waren sie in der Band Jazz
do it! mit ihrem Lehrer Villu Veski sogar schon einmal beim Nordischen
Klang. Diesmal kommen sie direkt aus Mexico City angereist, wo sie auf
das große Ollin Kan Tlalpan Weltkulturen-Festival eingeladen wurden.
http://rootoro.mcp.pri.ee/
www.myspace.com/rotoro
