Matthias Schneider spielt
Orgelwerke von Čiurlionis
Von Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875–1911) sind
nur wenige Orgelwerke überliefert, die in wenigen Jahren, von 1902 bis
1904, entstanden. Als Sohn eines Organisten aufgewachsen, wandte sich
Čiurlionis bald dem Klavier und der Komposition größerer Orchesterwerke
zu. Bei einem kurzen Studienaufenthalt in Leipzig übte er sich im
strengen Kontrapunkt, eine Erfahrung, die sich direkt in seiner
Orgelmusik niederschlug: sie ist fast durchweg polyphon gearbeitet –
als Kanons und Fugen, bisweilen kombiniert mit Choralthemen. Daneben
bezieht sein Personalstil Anregungen sowohl aus der Spätromantik als
auch aus litauischen Volksliedern. Besondere Bedeutung haben für
Čiurlionis synästhetische Wahrnehmungen – das gleichzeitige Empfinden
von Klängen und Farben, von Strukturen im Raum, in der philosophischen
Reflexion und im polyphonen musikalischen Gewebe. Dies führte ihn zu
einem ausgedehnten malerischen Ľuvre. Mit seinen künstlerischen Ideen
stand er Wassilij Kandinskij und der „Neuen Künstlervereinigung
München“ (später der „Blauen Reiter“) nahe.
Das Programm des Konzerts bietet eine Auswahl der
Präludien und Fugen (Bearbeitungen von Klavierwerken sowie
Originalkompositionen für Orgel), darunter auch seine berühmte „Fuge in
cis-Moll“und eine Fuge über Luthers Choral „Aus tiefer Not schrei ich
zu dir“. Sie werden mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach,
Olivier Messiaen und Arvo Pärt konfrontiert.
Matthias Schneider lehrt als Professor für Kirchenmusik
an der Universität Greifswald und ist derzeit Dekan der Philosophischen
Fakultät. Als Organist regelmäßiger Teilnehmer an internationalen
Festivals und Konzertreihen und Dozent von Meisterkursen, wirkt er
zugleich als Musikwissenschaftler mit Schwerpunkten in der historischen
Aufführungspraxis und der norddeutschen Barockmusik. Derzeit arbeitet
er an einer mehrbändigen „Enzyklopädie der Kirchenmusik“.
