Gesichter des Barock
Fotografische Skizzen zur Barockskulptur in Vorpommern von Detlef Witt
Anknüpfend an seine Fotoausstellung „Nördlich der Peene.
Barockkunst in Schwedisch-Pommern“ in der Greifswalder Stadtbibliothek
Hans Fallada im Herbst 2004 präsentiert der Greifswalder
Kunsthistoriker Detlef Witt neue Arbeiten unter dem Titel „Gesichter
des Barock“.
Diesmal ist die Thematik stärker eingegrenzt, auf die
Barockskulptur in Vorpommern konzentriert. Die Fotos – Detlef Witt
nennt sie selbst „fotografische Skizzen“ – dienen nicht der
Objektdokumentation, sondern sind überarbeitete Momentaufnahmen, ins
Schwarz/Weiße transformiert, auf Licht und Schatten reduziert.
Die graphische Umsetzung des Motivs bekommt einen hohen
Eigenwert. Kontraste werden erhöht und verdichtet, um die Mimik der
Objekte zu verstärken, ohne sie zu verfremden.
Unter den dargestellten Gesichtern von Engeln und Evangelisten, dem
Gekreuzigten und alttestamentlichen Gestalten treffen wir immer wieder
auf Skulpturen des Stralsunder Bildhauers Elias Keßler. Er schuf im
Gebiet des ehemaligen Schwedisch-Pommern im 1. Drittel des 18.
Jahrhunderts Skulpturen von wahrhaft barocker Kraft und Bewegung, die
keinen Vergleich mit der Hochkunst der Zeit zu scheuen brauchen.
Keßlersches Schaffen ragt heraus aus einer Fülle eher handwerklicher
Arbeiten, und man meint bei ihm eine Schulung an europäischer
Spitzenkunst zu spüren.
Aber auch die Gefährdung der Kunstwerke wird am Detail
deutlich: Wurmlöcher, Spinnenweben, Trockenrisse und blätternde Fassung
haben ihren eigenen ästhetischen Reiz.
Nicht der Holzwurm und der Staub drohen diese Werke heute zu zerstören,
sondern Neufassungen „nach Befund“, wie sie leider noch immer und immer
wieder bei sogenannten „Restaurierungen“ vorkommen, zerstören
unwiderruflich die Oberfläche des Originals.
