Son Varona


Sonntag 8.5.
20:00
Theater Greifswald

"Meiner Meinung nach haben die Latinos dem Jazz jene Lebensfreude und Energie zurückgegeben, den er nie hätte verlieren dürfen", schrieb einmal der Regisseur Fernando Trueba (Calle 54). "Latino-Musik ist sehr populär geworden, zumeist leider aus den falschen Gründen, aber beim Jazz findet sie ihre edelste, eleganteste, pulsierendste und jubilierendste Ausdrucksform. Latin-geprägte Jazzmusik erlaubt einem wie keine andere, die Musik zu fühlen und zu leben."

Diese Worte passen hervorragend auf das, was man bei einem Konzert von Luís Varona und seiner 10-köpfigen Allstars-Band erwarten darf. Son Varona (auf Deutsch etwa "Der Sound von Varona") ist ein Name, der verpflichtet, denn er erinnert an einen der berühmtesten Trompeter, die Kuba je hervorgebracht hat: an Luís' Vater Jorge Varona (1932-1988), der mit der Monsterband Irakere die Welt in Sachen Jazz Cubano bereiste. Vor seinem frühen Tod hatte er die Idee, mit seinen drei ebenfalls Trompete spielenden Söhnen ein eigenes Ensemble zu gründen. Jetzt hat der mittlerweile in Kopenhagen lebende Luís, der jüngste Sproß der Bläserdynastie, diesen Plan aufgegriffen und dazu aus Dänemark, Schweden, Italien und Spanien die Elite der in Europa lebenden Latinojazzer versammelt.

Luís absolvierte eine anspruchsvolle Ausbildung an der Escuela Nacional de Arte "Cubanacan", wo er sich neben der Klassik immer wieder der kubanischen Musik und dem Jazz widmete. Neben seinem Hauptinstrument, das er mit der Heftigkeit Dizzie Gillespies und der Deftigkeit Freddie Hubbards bläst, spielt er auch Percussion und ist ein glänzender Sänger. Luís wirkte in legendären kubanischen Mambo- und Boleroorchestern mit (Conjunto Roberto Faz, Conjunto Rumba Habana, Orquesta Benny Moré, Orquesta Pacho Alonso), und jazzte in der Konzertserie "Habana Jam" mit US-Musikern wie Chick Corea, Stan Getz, Dizzie Gillespie und Dexter Gordon. Bevor er Kuba verließ, war er Mitglied im neu gegründeten, explosiven Timbaorchester Klimax.

Seit Mitte der 90er lebt er in Kopenhagen, wo er in der dänischen Latin- und Jazzszene mitmischt, u.a. mit seiner Band Latin Evolution. Darüberhinaus ist er längere Perioden auf Gran Canaria zuhause, wo er mit seinem Quinteto Varona (u.a. mit dem venezuelanischen Gitarristen Larry Jean Louis, der auch in Son Varona spielt) auftritt.

Sein Konzert in Greifswald ist der exklusive erste Festivalauftritt von Son Varona, von denen man in Zukunft noch so manches erwarten darf. Luís zur Seite steht sein Bruder, der Trompeter José Alberto Varona, der kürzlich als Mitglied der spanischen Mestize-Popband Amparanoia den renommierten BBC Worldmusic Award gewonnen hat. Dank Ignacio Guerra Acosta, Calixto Oviedo und Jorge Gonzales kann Son Varona mit einer kubanischen Percussiongruppe von allererster Güte aufwarten. Und das Klavier spielt der Argentinier Hernan Lugano, der sich auch in Deutschland durch seine elegante Synthese von Tango und Jazz einen Namen gemacht hat.

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