Ausstellungseröffnung: "Triade"
Malerei, Grafik, Skulptur, Künstlerbuch und Komposition im Dialog mit Lyrik
Lyrik: Pia Tafdrup DK, Marie Lundquist S
Komposition: Ejnar Kanding DK




Samstag 3.5.
17:00 Uhr
Pommersches Landesmuseum

In einer einzigartigen Begegnung dreier künstlerischer Welten – der Literatur, der Musik und der Bildenden Kunst – präsentiert sich die vom Neuen Kunsthaus Ahrenshoop und dem Künstlerhaus Lukas der Stiftung Kulturfond konzipierte Ausstellung Triade.
Den drei Medien Wort, Ton und Bild widmen sich Künstler dreier Länder, Dänemark, Schweden und Deutschland. Die ”Wort”-Beiträge entstammen den Federn jeweils zweier Autorinnen und Autoren jedes dieser Länder; Inger Christensen und Pia Tafdrup, Marie Lundquist und Göran Sonnevi, Ulrike Draesner und Oswald Egger. Inger Christensen und Göran Sonnevi, die beide zu den bedeutendsten Lyrikern der skandinavischen Gegenwart gehören, sind dem Publikum des Nordischen Klangs bereits von früher bekannt. ”Ton” und ”Bild” wurden von der Lyrik der sechs inspiriert: Grafiken, Installationen, Montagen in verschiedensten Techniken, mit spannenden Bezügen zur Lyrik.
Das Ahrenshooper Projekt ist wie maßgeschneidert für den Nordischen Klang, der schon immer auf Grenzüberschreitungen und Vernetzungen spezialisiert war. Nachdem die Texte in alle drei Sprachen übertragen worden waren, gaben nahezu 300 dänische, schwedische und deutsche Künstler ihre individuellen Antworten auf die Gedichte. Es entstand ein tripolares Geflecht aus Dichtung, Komposition und bildender Kunst (in Form von Malerei, Skulptur und Künstlerbuch); Komponenten, die sich gleichzeitig ergänzen wie selbst tragen, die im Ganzen eine Vielfalt entstehen lassen, die dennoch Einheit birgt: die Triade eben.
Die Autorinnen Marie Lundquist und Pia Tafdrup werden die Ausstellung persönlich besuchen, um eine Auswahl ihrer Lyrik vorzutragen.

Pia Tafdrup
Pia Tafdrup (Jahrgang 1952) ist eine der bedeutendsten dänischen Lyrikerinnen der Gegenwart. Für ihren Gedichtband Dronningeporten (Das Königinnentor), der gleichzeitig als ihr Hauptwerk gilt, wurde sie 1999 mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet. In ihm beschreibt Pia Tafdrup den weiblichen Weg in das nächste Jahrtausend. Es geht um das Fruchtwasser, um die Frucht des Gedichtes, um das Wasser des Körpers und den Regenbogen der Seele. Die neun Abschnitte, in die der Gedichtband geteilt ist, heißen der Tropfen, der See, die Flut, der Brunnen, das Meer, Lebenssäfte, das Bad, der Regen und der Regenbogen. Sie spiegeln unterschiedliche Erscheinungsformen von Wasser wider und umfassen jeweils sieben Gedichte. Aber auch das Tor ist für Pia Tafdrup von besonderer Bedeutung; es ist ein existentieller Ort, da man dort die Möglichkeit hat zu zögern, nachzudenken oder auch etwas hinter sich zu lassen, wenn man hindurchgeht.
Der Versuch das Innere, die Seele, das Bewußtsein, und das Äußere, die Umwelt, in ihrer Bildsprache zu verknüpfen und zu verbinden, gelang ihr zuletzt in ihrem Werk ”Die Wale in Paris” (Hvalerne i Paris). Hierbei handelt es sich um lange, breite, arabeske Kompositionen. Den inhaltlichen Rahmen bildet die aufklarende, zaghaft hoffnungsvolle Gegenwart. Dazwischen begegnet einem der Tod auf verschiedene Weisen, in abstrakten Reflexionen und in konkreten Beispielen, aber auch die Erinnerung und die Liebe werden verarbeitet.
In ihren Gedichten identifiziert sich das dichterische Ich abwechselnd mit Engeln und Tieren, die Identität liegt nie fest. Diese Unbestimmtheit gehört zu Pia Tafdrups Poetik: "Das Dichten ist nicht bloß ein Versuch zu begreifen, wer oder was ich bin, sondern auch der Versuch zu verstehen, in was ich mich verwandeln soll."

Marie Lundquist
”Begegnungen mit Menschen haben etwas Quälendes.” – ”Das schwerste ist, jemanden verlassen, ohne ein Versprechen dazulassen.” – ”Männer brechen entzwei wie Brot.”
Marie Lundquist schreibt Sätze, die sitzen. Sie zerquetscht, um eine ihrer Metaphern aufzugreifen, die weibliche Seele auf einem Blatt Papier: Alles ist da, vom ausgerissenen Käferrumpf in Honig bis zur Unsentimentalität der Mißgeburt. Wenn Marie Lundquist eines ihrer Prosagedichte liest, dann setzt es sich wie ein gutes Lied im Ohr und im Gedächtnis fest.
Die aus Jönköping stammende Stockholmerin veröffentlichte bisher fünf Gedichtsammlungen, eine Kurzgeschichte und ein Hörspiel, das der schwedische Beitrag zum Prix Italia 2000 war. Sie nahm zahlreiche Literaturpreise entgegen und wurde u.a. ins Griechische und Chinesische übersetzt. Neben ihrer dichterischen Tätigkeit unterrichtet sie kreatives Schreiben an der Schriftstellerschule in Biskops-Arnö. Ihre Lyrik basiert auf weiblich scharfsinniger Auseinandersetzung mit der Sinnenwelt, wo sogar Schmerz einen ironischen Beigeschmack enthält. Die Texte sind eine sprachliche und philosophische Herausforderung für Lyrikliebhaber und ein Vergnügen für alle, denen die Symmetrie eines gut geschriebenen Gedichtes Schauer über den Rücken.
Im Rahmen des Projektes Triade hat der dänische Komponist Ejnar Kanding ein Stück für Kontrabaß und Computer unter Verwendung der Stimme von Marie Lundquist geschrieben.


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