Sounds & Poetry
- Fanny Holmin & DJ Barabass N
- Birgitta Hall Quartet S: "The land that is not"
Jazz Songs zu Lyrik von Edith Södergran und Göran Sonnevi
- Villu Veski & Tiit Kalluste EST: "Sounds of Nordic Islands"




Samstag 3.5.
21:00 Uhr
Theater im Penguin

Fanny Holmin & DJ Barabass
Besucher früherer Sounds&Poetry Abende wissen es bereits: Heutzutage spielt sich Lyrik keineswegs nur zwischen zwei Buchdeckeln ab, um in andächtigen einsamen Stunden kontempliert zu werden. Die Norwegerin Fanny Holmin hat zwar 1997 wie sich‘s gehört in einem großen Verlag mit einem Gedichtbuch debütiert. Aber seither macht sie sich vor allem durch Happenings und Performances bemerkbar, bei denen sie Musik und Lyrik, Bildkunst und Text kombiniert und im öffentlichen Raum zum Ereignis macht. Die zierliche junge Frau mit der leisen, eindringlichen Stimme ist über einen ”Kulturnotruf” in ihrem Wohnort Bergen erreichbar. Ihre Gedichte sind in den Straßenbahnen Oslos auf Plakaten zu lesen, was zu einem fruchtbaren Kontakt mit der holländischen Bildkünstlerin Liesbeth de Jonge und einem Amsterdamer Projekt geführt hat. Fanny Holmin malt Kreidespuren auf den Asphalt Bergens, gibt Seminare ”Über den Zweifel”, heimste einen Preis für ein Theatermanuskript ein und führt – angeseilt und mit Helm – Stunts an Brücken aus, die sie mit Gedichten beschriftet. Außerdem ist sie lyrische Expertin für den Umgang mit Wahnsinn, falls die Psychoanalyse versagen sollte...
Zusammen mit dem versierten DJ Barabass, der in vielen Bands mitgewirkt hat und im trendbestimmenden DJ-Magazin Annie Nightingale beim BBC 1 Radio schon mal porträtiert wurde, ist Fanny Holmin letztes Jahr an der artGENDA erfolgreich in Hamburg aufgetreten. Für Greifswald haben sich die beiden ein ganz neues Programm ausgedacht. Wir dürfen wahrlich gespannt sein und vermuten gar, daß das Motto des letzten Jahres auf die beiden passen wird: cool & crazy?

Birgitta Hall Quartet: The Land That Is Not
Die Texte, die normalerweise zu Jazz gesungen werden, sind trotz eines gewissen Raffinements, bei Cole Porter etwa, oder einer volksliterarischen Prägnanz beim Blues meistens ziemlich anspruchslos und halten sich an traditionelle Reime und Versfüße. Eine Möglichkeit, die Musik und die Texte auf das gleiche künstlerische Niveau zu bringen, ist Jazz&Poetry, wo moderne Lyrik zur Musik rezitiert wird.
Birgitta Hall, selbst Lyrikerin, Tänzerin, Komponistin und Pianistin, macht etwas Neues. Sie vertont und singt anspruchsvolle moderne Lyrik und läßt sich von einem Jazz-Trio begleiten. Jazz kann heute so Vieles sein: von der einen Seite kommen Rock-Einflüsse und die Singer/Songwriter-Tradition, von der anderen Einflüsse der Klasssichen Musik (Birgitta Hall hat Musik studiert). Und anspruchsvolle Lyrik? Hall wählt Texte der ersten Modernistin des Nordens, der Finnin Edith Södergran, deren expressionistische Gedichte keine Leserin kaltlassen. Und Gedichte von Göran Sonnevi, einem der gewichtigsten und bekanntesten jetzt lebenden Lyriker Schwedens. Freie Verse, starke Bilder, kraftvoll in großen Bögen vorgetragen (Hall war früher Eliteschwimmerin) und getragen von modern swingender Improvisationsmusik mit Thomas Törnheden, Piano, Jan Mathiasson, Kontrabaß, und Martin Thorsell am Schlagzeug. Birgitta Hall sagt, für sie seien Worte Rhythmen. Und: die Texte seien leichter in englischer Sprache zu singen – wir verstehen sie auch besser so.

Villu Veski & Tiit Kalluste: Sounds of the Nordic Islands
Die am weitesten auf den ganzen Norden ausgreifende Weltmusik kommt aus Estland. Seit ”der estnische Garbarek” Villu Veski und sein virtuoser musikalischer Partner am Akkordeon, Tiit Kalluste, auf die archaische Musik der Färöer Inseln gestoßen sind, haben sie zwei vielbeachtete CDs mit ”Sounds of the Nordic Islands” veröffentlicht, die auch Musik von Öland, Gotland und Åland mit einbeziehen und sie geheimnisvoll faszinierend mit modernen Weltmusikklängen und neuen Rhythmen verbinden. Mit dieser Musik waren sie auf Tournee von Polen bis Kanada; an der EXPO 2000 waren sie in Hannover zu hören.
Der Saxofonist und Komponist Villu Veski war 1985 der erste, der an der estnischen Musikakademie mit dem Saxofon eine Ausbildung abschloß. An dieser Musikhochschule unterrichtet er heute Saxofon und Improvisation, zu Workshops wurde er auch schon nach Norwegen und Deutschland geholt. Wenn Villu Veski nicht gerade klassische Saxofonquartette spielt – zum Beispiel am World Saxophone Congress – groovt er mit eigenen Bands wie Saxappeal. Von den skandinavischen Jazzfestivals ist er nicht mehr wegzudenken, von den estnischen schon gar nicht. Er hat Musik für Film und Theater komponiert, etwa zu ”Around the World in 90 Days” für Discovery Travel Channel. Der NDR hat einen Dokumentarfilm über das sympathische Energiebündel Villu Veski als Musiker, Lehrer, Familienvater und Festivalarrangeur gedreht.
Der Akkordeonist Tiit Kalluste absolvierte – nachgerade auch nicht mehr so ungewöhnlich – ein Studium auf seinem Instrument an der Hochschule, derselben wie Veski, und auch er steht heute als Lehrer auf deren Lohnliste. Auch er ist kein Purist, sondern spielt ganz einfach hervorragende moderne Musik, die mit Elementen des Jazz, des französischen Chansons und des argentinischen Tangos experimentiert und in diesen weiten Horizont eben auch nordische und baltische Ethnoklänge integriert. Er tritt bei Akkordeonfestivals auf oder spielt mit seiner Tiit Kalluste Jump Band schlicht und einfach Swing. Hochkarätige Musiker von Äthiopien bis Amerika haben die Zusammenarbeit mit ihm gesucht.


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