| Film "Julias Wahn" | |||
Samstag 4.5. 15:00 Uhr Sozio-kulturelles Zentrum St. Spiritus |
Hannes Schönemann erzählt in seinem wohl persönlichsten Film die Geschichte von Julia, einer in Dänemark lebenden Ungarin und dem jungen ostdeutschen Regieassistenten Hannes, die sich bei einem Treffen der sozialistischen Landjugend in Rostock kennen lernen und ineinander verlieben. Doch es ist das Jahr 1969, auf der Höhepunkt des Kalten Krieges, und somit trennen sich ihre Wege auf unbestimmte Zeit, und Briefe müssen Begegnungen ersetzen. Aber wie kann eine Liebe über Mauern und Machtblöcke hinweg leben, zumal sich von Beginn an diverse Geheimdienste für die Beziehung interessieren? Als dann 1990 die Machtblöcke sich auflösen, stirbt Julia in Kopenhagen. Sie hatte gegen die paranoide Scheinwelt der Spionageagenten einen verzweifelten Kampf geführt, hatte den geheimen Teil ihrer Biographie öffentlich gemacht, aber niemand hörte sie. "Julias Wahn" (1999) ist eine Schilderung europäischer Alltagsgeschichte in den Zeiten des Kalten Krieges. Schönemann begibt sich auf eine radikal persönliche Exkursion in die eigene Vergangenheit, deren größtes Schockmoment die Einsicht ist, daß es neben dem eigenen Erleben ungeahnte, fremdbestimmte Ebenen der eigenen Existenz gegeben hat. Es entstand ein Film, der sich als ein Gegenentwurf zum menschenverachtenden Taktieren sich verselbständigender, politischer Apparate versteht, aber nicht als investigative Recherche gelten soll. Der Regisseur arbeitet doku-fiktional und gewinnt auf diese Weise das ihm entrissene Private zurück. "Ohne Zweifel wird dieser Film im Lauf der Jahre an Relevanz gewinnen und irgendwann auch die Anerkennung erfahren, die ihm zusteht." (Claus Löser/film-dienst) |
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