Symposium II: Interkulturelle Begegnungen in den nordischen Ländern
(mit Ingeborg Kongslien N, Torgrim Eggen N, Shabana Rehman N/Pakistan und weiteren Autoren)
Donnerstag 10.5.
9.00 Uhr

Nordisches Institut


Soll der Nordische Klang eine nordische Leitkultur präsentieren oder allenfalls noch exotische Eskimos und Lappen nach Greifswald holen? Natürlich geht es um Spezifisches aus dem Norden. Spezifisch ist aber dort schon längst, daß Millionen Einwanderer in Skandinavien wie bei uns in Deutschland sagen: "Dies ist unser Land". Sie schreiben in den neuerworbenen Sprachen, machen Musik, Kunst, Geschäfte und Poltitk mit ihren neuen Landsleuten, die für alle neu ist, sie tragen zu einer modernen, täglich gelebten Multirealität bei. Sie sind eine vitale Herausforderung, der wir uns gedanklich und politisch stellen müssen, um Schubladendenken zu überwinden, zu verstehen, in welcher Welt wir leben, wer wir sind, d.h. schon längst geworden sind. Denn es ist ja nicht nur die Musik - vergleiche das Motto des letztjährigen Nordischen Klangs! - oder der Döner, der Hamburger oder das Kapital und das Internet, die keine Grenzen kennen. Unser Symposium bringt kulturell exponierte Einwanderer und alteingesessene Kenner (Eingeborene!) der neuen Szene miteinander ins Gespräch, und sie suchen das Gespräch mit uns. Shabana Rehman ist als Kolumnistin und Standup Komikerin eine schlagfertige Provokateurin norwegischer wie pakistanischer fundamentalistischer Leitkulturen. Die in Schweden lebende Iranerin Azar Mahloujian hat in einem aufsehenerregende autobiographischen Buch von ihrem Flüchtlingsschicksal berichtet, sie beteiligt sich rege an öffentlichen Debatten zu kulturellen Fragen der Migration. Und wir, wie die Skandinavier haben ja längst angefangen, über die neue Realität nachzudenken, ihr kreativ zu begegnen. Ingeborg Kongslien hat als Literaturwissenschaftlerin zuerst über norwegische Emigrantenliteratur in den USA geschrieben, jetzt ist sie Spezialistin für Einwandererliteratur in Norwegen. Die Historikerin Maja Runcis, Schwedin lettischer Abstammung, diskutiert in ihrer Untersuchung "Schweden ist nicht die ganze Welt" die schwedische Bildungspolitik gegenüber Einwanderern. Der Romancier Torgrim Eggen hat Pakistan bereist und kennt sich in Oslos "Kleinpakistan" bestens aus, er hat einen gewichtigen Roman mit dem Titel "Hilal" über ein pakistanisch-norwegisches Liebespaar in Oslo geschrieben. Und an der Universität von Uppsala leitet Professor Harald Runblom das Zentrum für multiethnische Studien. Zwischen Integration und Vereinnahmung, notwendigem Bewahren und Anknüpfen am Hergebrachten, Erneuerung und Abgrenzung spielen sich Dramen ab, stellt sich Neues und Faszinierendes ein - darüber soll gesprochen werden, denn nicht Multikultur ist ein Anachronismus, wie eine deutsche Politiker unlängst meinte, sondern Leitkulturdenken hat, gottseidank, keine Chance mehr.


zur Veranstaltungsübersicht