Sonntag 6.5. 14.30 Uhr Medienwerkstatt

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Die Ausstellung "Glokale Kunst" aus Norwegen lädt uns ein über das
Verhältnis von Kunst, Nationalität und kulturelle Zugehörigkeit
nachzudenken. Entfernungen und Barrieren, die früher die
Kommunikation ver- oder behinderten, haben sich in den Zeiten der
GLOBALisierung aufgelöst. Die Arbeit eines Künstlers in Bezug zu seiner
nationalen, geographischen oder ethnischen Herkunft oder Zugehörigkeit
zu erklären, ist zu einem skurrilen Unterfangen geraten. Fertig mit
Folklore! Die modische Rede von der sogenannten Identität wird da
schnell zur restriktiven Vereinnahmung von aufgeschlossenen
schöpferischen Menschen.
Andererseits spielt der LOKALe Hintergrund,
das tägliche Umfeld, die konkrete Lebensssituation, sehr wohl eine Rolle
für das Erleben und Imaginieren. Auch wenn durch die technologische
Entwicklung die Welt kleiner wird, wächst sie umgekehrt lokal, vor Ort,
durch die Horizonterweiterungen, die einstmals ferne Formen und
Gedanken näherbringen, und all die Reibungen, Mischungen, Symbiosen
und Synthesen, in welche jene zu einem neuen kulturellen Reichtum
eingehen.
Global + lokal = glokal! Alle in der Ausstellung repräsentierten
Künstler leben heute in Norwegen.
* Andras Mengyan, Herkunft: Ungarn, an der Kunstakademie Budapest
ausgebildeter Industriedesigner, Professor an der Kunsthochschule
Bergen, nutzt seinen technischen Hintergrund in seinen Bildwerken. In
den Arbeiten "Space Kaleidoscop" und "Segmentet Isomorphic Forms"
lockt er faszinierende Farb- und Raumeffekte aus geometrischen
Formen hervor.
* Don Clanton, Herkunft: USA, Studienjahre in München und an der
Herron School of Art, bearbeitet im Wald gefundene Aststücke zu
dünnen schlanken "Stockskulpturen". Sie haben oft einen
humoristischen Zuschnitt und spielen gerne auf Ikonen der US-
Populärkultur an, so wie im Falle der gezeigten Arbeit "The Angel of
Mae West."
* Mesic Rus, Herkunft: Bosnien, Ausbildung an der Kunstakademie
Sarajevo, kam als Kriegsflüchtling nach Norwegen, nachdem sein Atelier
mit 700 Arbeiten bei einem Bombenangriff ausgebrannt war.
Unterrichtet an der Kunstschule Høvik. Die auf dem Boden liegende
Papier-Collage "Häupter" zeigt zwanzig Kopfformen, die nach einem
bestimmten System angeordnet sind.
* Hilde Andorsen, Herkunft: Norwegen, Absolventin der Staaatlichen
Kunstakademie Oslo, stellt die Videoinstallation "Nur die Zeit und der
Weg" aus. Sie befreit das Videobild vom TV-Monitor und läßt es über
eine sandbestreute Fläche auf eine kleine weiße Platte treffen: das
Szenario eines Wintertages enststeht.
* Martina Sjauna, Herkunft: Schweden, zeigt die kontemplative
Schwarzweiß-Fotoserie "Der vergessene Wald". Die Künstlerin hat sich
mit Selbstauslöser als tanzende Gestalt aufgenommen. Diese Figur
bewegt sich in Naturlandschaften , die eine große Ruhe ausstrahlen.
* Æsa Bjørk Thorsteinsdottir, Herkunft: Island, Künstlerausbildung in
Schottland, läßt 16 aus Glas gegossene Hämmer von der Decke des
Ausstellungsraumes hängen. Der Titel der Installation, "Glass Hammer
for Glass House", fragt nach der Widerstandskraft. Ein Hammer aus Glas
ist ein Selbstwiderspruch, er wirkt bedrohlich und formschön zugleich.
* Guang Hua Wang, Herkunft: China, Künstlerausbildung in China und
Norwegen, nutzt die Form des Klappaltars für seine Ölgemälde. Zwei der
berühmtesten Menschen des Globus, Bill Clinton und Lady Diana, sind
auf den geschlossenen Flügeln der Werke "The Man" und "The Woman"
abgebildet. Wenn man die Flügel aufklappt, entfalten sich die beiden in
nackter Pracht und in paradiesischer Harmonie unter wilden Tieren.
* Chris Reddy, Herkunft: Norwegen, Absolvent der Universität Tromsø
und der Staatlichen Kunstakademie Oslo, trägt mit einem
großformatigen, von der Grafittikunst inspirierten Gemälde zur
Ausstellung bei. Sein Vater ist ein indischer Südafrikaner, aber erklärt
das irgend etwas an dem poppigen Bild? Da zählt wohl mehr, daß Reddy
auch Musiker ist, und eine Plattenfirma betreibt.
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