Fucking Åmål
 
Es ist schon hart, wenn man seine Jugend im schwedischen Provinznest Åmål verleben muß. Herumhängen, abendliches Saufen am örtlichen Wurstkiosk, abwarten. Wenn hier die erste Raveparty startet, ist in Stockholm Techno schon längst wieder out. Die Teenager machen es sich untereinander auch nicht leichter. Mit alltäglichen Fiesheiten setzen sie sich einem gegenseitigen Normalisierungsdruck aus, um dann letzlich wie die Spießbürger abends vorm Fernseher die Lottoshow zu glotzen. Aufgedonnerte Mädchen am Rande des Nervenzusammenbruchs und fade Burschen mit Handy, während die Eltern sich kläglich als Sozialtherapeuten versuchen.

Aus diesem tragikomisch gezeichneten Milieu erzählt der in ganz Skandinavien ungeheuer erfolgreiche Film "Fucking Åmål" die romantische Liebesgeschichte (sogar mit Balkonszene!) zwischen der lebenslustigen Elin und der schlauen, suizidgefährdeten Agnes. Beide lernen es, dem verflixten Kaff zu trotzen und der Selbstverständlichkeit ihrer Herzen zu folgen. Mit seinem Debutwerk ist Regisseur Lukas Moodysson einfühlsames und unprätentiöses Jugendkino gelungen. Durch die intime Kameraführung und das lebendige Agieren der jugendlichen Darsteller gewinnt der Film eine Echtheit, die sich nicht inszenieren läßt. Ganz besonders hat dazu die Ausdruckskunst von Rebecca Liljeberg in der Rolle der Agnes beigetragen. Die junge Schauspielerin, die in Skandinavien ein gefeierter Star ist, wird bei der Greifswalder Aufführung (natürlich in der schwedischen Originalfassung, aber mit deutschen Untertiteln) für ein Gespräch mit dem Publikum dabei sein. Davor wird Rebecca Liljeberg in einem Filmseminar am Nordischen Institut über die Dreharbeiten und sicher auch über das Jungsein im heutigen Schweden berichten.

"Als wir in Åmål drehten und das absurde Gerücht umging, es werde ein 'Film über Lesbierinnen' gedreht, wurden die Stadtväter sehr mißtrauisch", erinnert sich Lukas Moodysson. "Heute sind sie uns dankbar, die halbe Welt pilgert jetzt nach Åmål, plötzlich haben sie Touristen. Und ein Schild am Ortseingang: 'Welcome to Fucking Åmål'."

 

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Zuletzt geändert am 3. März 2000
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Mittwoch 10.5.
17.30 Uhr und
20.00 Uhr
CineStar