Affetti Musicali

"Lasse Lucidor - Weltliche und geistliche Lieder"
 

Ein berühmter schwedischer Barockpoet hat 1655 bis 1658 in Greifswald studiert. Lasse Lucidor (1638-1674), der sich auch Lucidor der Unglückliche nannte, hieß mit bürgerlichem Namen Lars Johansson. Geboren in Stockholm, früh Vollwaise, wuchs er in Alt-Stettin und Kaseburg auf Usedom auf, wo sein Großvater Admiralleutnant beim schwedischen Kriegsflottenhafen war. Nach dem Tod des Großvaters wurde der Schwedische Generalgouverneur in Pommern, Carl Gustav Wrangel, sein Vormund. Vielleicht wäre Lucidor von der Universität Greifswald relegiert worden, wenn Wrangel, der auch Kanzler der Universität war, nicht seine schützende Hand über ihn gehalten hätte. Fünf Mal mußte sich die Universitätsleitung mit ihm beschäftigen, weil er in der Stadt in Tumulte verstrickt gewesen war. Vielleicht ließ sie sich auch erweichen durch das ergreifende Argument, daß er sonst keinen anderen Ausweg mehr sehe, als Soldat zu werden.

Als Gelegenheitsdichter in Stockholm lebte Lucidor ebenfalls gefährlich. Drei Monate Gefängnis brachte ihm ein burleskes Hochzeitsgedicht ein, in dem das hochadlige Brautpaar, anstatt es als Scherz zu goutieren, sich persönlich karikiert sah. Und - erst 36-jährig - starb der nonkonforme Dichter. Er wurde bei einem Wirtshausstreit erstochen.

Lucidor dichtete anzügliche Liebeslieder, fröhliche Trinklieder, fromme Kirchenlieder und ergreifende Trauergedichte in vielen Sprachen. "Sollt ich traurig sein, wär ich verrückt", fängt ein Lied an, und schließt mit dem Wunsch, daß auch wir "unglücklich lustig" seien wie er. In einem deutschen Liebeslied schreibt er: "Lasset die nur hin betrübt und traurig seyn/ Die nicht verstehn was Lieben ist und Wein".

Der Nordische Klang hat vor zwei Jahren das schwedische Barockensemble Affetti Musicali gebeten, Musik zu Lucidors Liedern zu rekonstruieren. Ihr Konzert in der Aula ist eine Uraufführung. Die Affetti Musicali sind in Greifswald bereits ein Begriff. Auf alten Instrumenten und in unakademisch kongenialer barocker Manier begleiten Anders Fredljung (Barockvioline), Eva Fredljung (Barockviola), Torgny Söderholtz (Viola da Gamba) und Roland Hogman (Theorbe) unter der Moderation und musikalischen Leitung von Bernt Malmros (Violone) den Countertenor Lennart Löwgren.

 

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Zuletzt geändert am 3. März 2000
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Montag 8.5.
20.00 Uhr
Aula